Die Schweizer Politiker im Facebook-Fieber

22.9.2011

Politischer Wahlkampf in Social Media

In der Februar Ausgabe der Fachzeitschrift Marketing & Kommunikation habe ich über den Stellenwert von Social Media in der Politik geschrieben und dabei festgestellt, dass die meisten Politiker in der Schweiz das Terrain der sozialen Netzwerke noch nicht betreten haben. Inzwischen sind 6 Monate vergangen und das Bild hat sich stark verändert. Es herrscht Wahlkampf in der Schweiz und es scheint, als ob parteiübergreifend alle Kandidatinnen und Kandidaten in einem Wahlkampfseminar gehört haben, dass man heute unbedingt auf Facebook präsent sein muss. Und darum poppen zur Zeit Facebook-Profile und Fanpages von Politikern zu hunderten scheinbar aus dem Nichts hervor und werden einem von Facebook empfohlen. Daneben werden die Kandidaten-Homepages auf Hochglanz gebracht, es wird eifrig gebloggt und die Innovativsten wagen sich sogar an Twitter oder Google+ heran.

Grundsätzlich ist es sicher nicht falsch, dass ein Politiker sich auch auf diesen neuen Plattformen präsentiert, auf denen sich seine potentiellen Wähler tagtäglich bewegen. Aber die Frage sei erlaubt, wie ehrlich und nachhaltig dieses Engagement ist. Freunde, Fans und Follower zu sammeln, um möglichst grosse Reichweite zu erzielen, ist relativ einfach. Aber diese neuen „Freunde“ stellen auch Ansprüche. Sie erwarten einerseits Nähe und anderseits wollen sie Antworten– auch auf kritische Fragen. Ein Kandidat exponiert sich auf Facebook viel stärker als in jedem anderen Medium.

Fazit: Nach den Wahlen wird sich rasch zeigen, welchen Politikern es nur darum ging, ihr Wahlplakat auch auf Facebook zu sehen und welche es ehrlich meinen mit dem inhaltlich und zeitlich anspruchsvollen Dialog mit den Wählern in den Neuen Medien.

Übrigens: Habt ihr den interessanten MySignTALK mit Nationalrat Christian Wasserfallen zur Bedeutung der Neuen Medien im Wahlkampf 2011 schon gesehen?

Eine leicht gekürzte Version dieses Artikels ist auch als Kolumne im Marketing & Kommunikation vom September 2011 erschienen.

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Kategorisiert in:

  • Christian L.

    Klar ist es allemal: Wenn Politiker ins Rohr der SocialMedia-Portale sprechen, erreichen sie in kürzester Zeit wohl die grösste Anzahl an Empfänger ihrer Botschaften.
    Allerdings sind teilweise Kommentare von vermeintlichen ‚Freunden‘ zu schnell getätigt, man muss nicht nochmal bestätigen was man postet. Da ist doch der eine oder andere Kommentar zu politischen Posts etwas gar schnell draussen, die Hemmschwelle für ‚kritische‘ Meinungsäusserungen erachte ich ebenfalls als tief angesetzt.
    Manchmal wäre es besser, man gibt dem User zuerst nochmals ne Chance, seinen Post zu überarbeiten, wie dies die Programmierer der bekannten Foren von Voltlab u.a. auch so vorschlagen.
    Politik in SocialMedia JA – Solange die Inhalte die gleichen sind…