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Das Social Media Märchen „Obermutten“ – eine Replik

22.11.2011

Wie waren wir doch alle gerührt vom Social Media Märchen „Obermutten“, das uns diesen Herbst für einige Woche bewundernd staunen liess. Eine winzige Gemeinde mit 80 Einwohnern im Graubünden schaffte es dank einer simplen Facebook Aktion zu Weltruhm. Weltruhm heisst in diesem Zusammenhang 50 Millionen Menschen rund um den Globus haben von Obermutten gehört. Eine gigantische Zahl.

Obermutten Anschlagbrett

Bildquelle: facebook.com/obermutten

Und das alles weil der Gemeindepräsident von Obermutten eine Facebook-Seite erstellt hat und dort verspricht, das Facebook Profil jedes Fans auszudrucken und am Anschlagbrett im Dorf aufzuhängen. Voilà. So einfach und doch so genial, dachten alle. Und als sich dann die Fanzahlen täglich verdoppelten und Obermutten in der Social Media Szene zum Gespräch wurde, waren alle begeistert. Das perfekte Beispiel, wie man dank Facebook ohne Aufwand und ohne externe Hilfe einfach so, eine tolle Aktion starten kann. Facebook machts möglich! Und so wurde über das Märchen Obermutten gebloggt, getwittert und das Beispiel wurde in Präsentationen und Kursunterlagen eingebaut.

Umso grösser war dann die Ernüchterung oder sogar Enttäuschung, als mitte Oktober in einer Pressemitteilung kommuniziert wurde, dass es sich bei „Obermutten“ um eine inszenierte Aktion von Graubünden Tourismus und Jung von Matt/Limmat handelte und dass über 10 Personen in diese „Aktion“ involviert waren. Alle wurden jäh aus dem Märchenland gerissen und fanden sich urplötzlich in der vermeintlich kühlen, berechnenden Marketingwelt wieder.

Doch, sind wir ehrlich: Was ist daran so schlecht und warum soll die Aktion plötzlich nicht mehr ein tolles Social Media Beispiel sein? Weil dahinter Gehirnschmalz und Kreativität einer professionellen Agentur steckt und eine hoch professionelle PR Machinerie? Wir sind doch hauptsächlich enttäuscht, weil wir es nicht gemerkt haben und so gesehen „getäuscht“ wurden.

Aber wenn wir diese Enttäuschung mal zur Seite schieben und die Aktion objektiv beurteilen, dann hat sie doch alles, was eine Social Media Kampagne haben muss: Authentizität, relevanter Content und Interaktion mit den Fans.

Und das Wichtigste: Es handelt sich nicht um eine zeitlich begrenzte Aktion, wie die vielen Wettbewerbe, wo Fans zu tausenden gesammelt werden und sobald die Aktion vorbei ist, im Regen bzw. auf der Fanseite stehen gelassen werden. Obermutten hat das Potential mit seiner Fancommunity einen nachhaltigen Dialog aufzubauen, sie immer wieder mit spannenden Geschichten rund um die Ortschaft und die Region zu begeistern  und so einen echten touristischen Wert daraus zu generieren. Dazu braucht es keine Agentur mehr, sondern das kann ein Social Media affiner und interessierter Gemeindepräsident oder ein Wirt ganz alleine tun.

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