Der Prophet im eigenen Land zählt nicht

16.12.2011

Vor kurzem ist im Tagesanzeiger ein Artikel erschienen mit dem Titel „Jobs, die es bisher nicht gab“. Darin ist die Rede von Social Media Managern, von Seeding-Spezialisten, von Word-of-Mouth-Managern, von Corporate Bloggern, Creative Technologisten, Channel Plannern und von Viral Marketing Managern. Der Tagi Journalist Christian Lüscher suggeriert im Artikel, dass diese Berufe alle komplett neu sind und es solche Spezialisten in der Schweiz nicht gibt. Ob schlecht recherchiert oder bewusst ignoriert ist schwer zu sagen. Aber wortwörtlich schreibt er: „Und weil die Schweiz hier noch hinterherhinkt, kommt der Nachwuchs aus Deutschland.“

Und dann folgt ein ausführliches Porträt der deutschen Agentur „webguerillas“, die ganz neu eine Filiale in Zürich eröffnet hat und aus Deutschland sogenannte Social Media Profis hierher holt, weil diese „ein Handwerk beherrschen, das im Moment nur sehr wenige können“. Was für eine tolle Publireportage!

Einmal mehr zeigt sich, dass der Prophet im eigenen Land einen schweren Stand hat und dem Experten aus der Fremde viel mehr Vertrauen geschenkt wird. Dabei hat sich in der Schweiz schon länger eine sehr professionelle und kompetente Gilde von Social Media Experten entwickelt, die sehr gut vernetzt ist und sogar über die Schweiz hinaus Ausstrahlung hat. Es gibt einerseits Firmen wie Blogwerk, Isuntu, xeit und weitere, die eigentliche Social Media Agenturen sind, dann eine Reihe von Fullservice-Agenturen bei denen Social Media einen hohen Stellenwert hat wie coUNDco, Goldbach Interactive, INM, MySign und Namics. Und dann gibt’s noch eine Reihe von selbständigen Beratern, die sehr erfolgreich in diesem Markt tätig sind und Unternehmen in Social Media Fragen beraten, an Hochschulen referieren und Strategien und Konzepte für Dritte entwickeln usw.

Kurz: Die Schweizer Social Media Szene ist äusserst stark und anders als der Artikel im Tagi suggerieren will, auch etabliert. Es stimmt auch nicht, dass es an Nachwuchs fehlt, denn die Generation der Digital Natives wächst mit diesen Medien und Plattformen auf und findet dadurch einen relativ einfachen Zugang zu den gefragten Berufsgattungen. Es ist viel schwieriger einen Applikationsentwickler, einen Webpublisher oder einen Screendesigner zu finden als Social Media Profis.

Übrigens: Viel interessanter wäre es gewesen, wenn der Tagi Journalist die Frage aufgeworfen hätte, warum der im Artikel genannte Schweizer Detaillist, der nicht Müde wird öffentlich zu kritisieren, dass wir Schweizer vermehrt im Ausland einkaufen, sich ausgerechnet von einer deutschen Social Media Agentur beraten lässt…. Aber dazu hätte er wohl etwas mehr recherchieren müssen…

Aus aktuellem Anlass haben wir eine Liste von uns bekannten Social Media Agenturen, Fullservice Agenturen mit starken Social Media Kompetenzen und selbständigen Social Media Beratern erstellt – noch ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Gerne ergänzen wir diese Liste laufend mit Vorschlägen aus der Community.

Dieser Artikel ist in leicht gekürzter Form in der Fachzeitschrift Marketing & Kommunikation 12/11 erschienen.

Google+ 0 Facebook 0 Twitter 0 Pinterest 0

Kategorisiert in:

  • Vielleicht könnte man hier auch die Social Media Manager Ausbildung bei SOMEXCLOUD in Zürich erwähnen, das nun schon 6 Lehrgänge durchgeführt hat (2 noch unterwegs), sich ständig entwickelt und viel schneller reagiert als „old school Schulen“, beispielsweise Google+ Module nicht erst plant, sondern schon in Lehrgängen durchgeführt hat.

    Es geht schon was!

    Es sind eher noch Unternehmen, die langsam sind – zu lange Entscheidungsprozesse haben für die Geschwindigkeit, mit der sich Dinge heute verändern. Bücherläden, die nicht früh genug reagieren auf die Tatsache, dass E-Books Realität sind und Amazon mehr davon verkauft als Bücher auf totem Holz. Musikbranche, die nicht merkt, dass maximal 2 Songs auf einem Album gut sind. Zeitungen, die lahm reagieren auf Tablets etc etc. Wer heute durch Technologie einen Vorteil haben will, muss sehr schnell experimentieren, adaptieren und verspielt sich den Vorteil, wenn er wartet, bis die Konkurrenz Dinge schon tut.

    Wir wären bereit für die Unternehmen, die das verstehen – die anderen werden das tendenziell zu spät lernen. Das Argument: „bisher konnten wir immer relaxt reagieren“ zieht nicht mehr, weil die Veränderung so viel schneller passiert.

  • Es ist genau dieser Detaillist der jammert, wenn Schweizer ennet der Grenze einkaufen – für ihn selber ist das natürlich absolut OK – aus dem selben Grunde wohl.. http://www.inside-it.ch/articles/27346

  • Kommt dazu, dass die Guerillas ja CH-Power einstellen, wie beispielsweise Michel Bognar (INM) oder *Name wurde auf Wunsch des Betroffenen entfernt* (insign; die im Text natürlich auch hätte erwähnt werden sollen: http://www.insign.ch), und damit das als D-Wissen verkaufte ja de facto CH-Wissen ist.
    Der restliche Kommentar wurde wegen irrelevanten und persönlichen Informationen vom Administrator gelöscht.

  • Christian L.

    Sind da beim Tagi wieder mal gesponserte Beitragsgelder geflossen oder sorry, wieso schreibt der denn einen solchen M…, wenn ihr hier ja das Gegenteil beweist? Ich hab fast das Gefühl, gewisse Journalisten verfangen sich im Deutsche-Arbeiter-Syndrom, wie wirs ja bei den Ärzten bereits haben… Fehlanzeige! MySign beweists für mich, dass SocialMedia für Stellenangebote sehr wohl am florieren ist! ..UND: Lieber nur ein paar wenige dies tun, dafür die richtigen!

  • Als Geschäftsführer eines Unternehmens mit dem Namen Mundart verpflichten wir uns zum Schweizer Markt Sorge zu tragen. Auch wenn ich grundsätzlich für freien Markt über die Grenzen hinaus bin, haben wir uns nicht nur aber auch deswegen für einen Schweizer Marketing Partner entschieden. Und ich habe die Zusammenarbeit bisher nicht bereut, im Gegenteil. Und erstaunlicherweise waren die auch im Bereich Social Media sehr kompetent. Danke an MySign, vielleicht können das mal jemand an den Tagi weiterleiten.

    • Der Tagi hat auch einen komplett verfälschten Artikel über iPad und Android Tablets geschrieben. Eine Peinlichkeit sondergleichen. Man lese und staune.

  • Sehr schön, danke, dass ihr das Thema nochmals aufgenommen habt. Wir waren damals auch ziemlich über den entsprechenden Artikel erstaunt. Ubd: Wir setzen weiterhin auf „so viel wie möglich swiss made“. Und bleiben dran.