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Facebook an der Börse – Gratwanderung zwischen Geld und Benutzerspass

21.5.2012
Facebook an der NASDAQ Börse

© Copyright 2012, The NASDAQ OMX Group, Inc.

Am Freitagmorgen wurde ich bei Radio 32 zu einem Interview bezüglich dem Facebook Börsengang eingeladen. Der Finanzexperte Bernhard Curchod, Leiter Finance Center bei der Regiobank in Solothurn, hat den Zuhörern das Vorgehen an der Börse erklärt und aufgezeigt wie realistisch es ist, als Kleinanleger an Facebook Aktien zu kommen. Meine Rolle war es, einen Blick in die Zukunft zu wagen, wie sich der Börsengang für die Benutzer entwickeln könnte. Diese Gedanken möchte ich hier noch etwas vertiefen.

Das Geld: Unternehmenswert vs. Einnahmen

Lediglich 38 US-Dollar kostet eine einzelne Aktie. Klingt nach wenig. Wenn man das aber mit den Milliarden von Aktien vervielfacht, kommt man auf die stolze Summe von 104 Milliarden US-Dollar. Soviel soll Facebook also Wert sein. Im krassen Gegensatz zum Wert von Facebook stehen die Einnahmen. Lediglich 1,06 Milliarden US-Dollar hat Facebook im ersten Quartal 2012 eingenommen. Mit Sicherheit erwarten die Anleger und Investoren mehr von Facebook. Irgendwie muss das Team rund um Gründer Mark Zuckerberg Einnahmen generieren. Bisher hat Facebook vor allem über die Werbung Umsatz gemacht, doch hier bröckelt die Fassade bereits. General Motors hat angekündigt, den Ausstieg aus der Facebook Werbung zu prüfen. Auch andere Werbetreibende melden unbefriedigende Resultate.

Es müssen also neue Geldquellen erschlossen werden. Wenn sich Zuckerberg selber treu bleiben will, dann wird er sein Versprechen einlösen, dass Facebook kostenlos ist und auch bleibt. Das hindert Facebook aber nicht, den Benutzern einen Mehrwert zu verkaufen. Wer eine wichtige Statusmeldung von der Masse abheben möchte, der soll in Zukunft für einen kleinen Betrag diesen Wunsch erfüllt bekommen. Dieses Modell wurde von Facebook bereits in Neuseeland getestet.

Das Kapital: Die Benutzer

Rund 901 Millionen aktive Nutzer hat Facebook. Das wird auch immer wieder als Kapital genannt.  Somit wäre jeder Benutzer rund 115 US-Dollar wert. Glaubt man aber diesem Facebook Val-You-Tool hier, dann war ich – als eher aktiver Nutzer – vor dem Börsengang 19 USD wert, nun aber 537 USD. Und das ohne dass ich Zynga Spiele wie FarmVille und Co. nutze. Sicher ist, dass das Wachstumspotential langsam erschöpft ist. Und die viel besagte Facebook-Müdigkeit ist mit dem Börsengang auch wieder ein Thema.

Die Gratwanderung zwischen Geld und Spass

Wie kann Facebook nun das Kapital, also die User wie Du und ich, so nutzen, dass daraus ein grösseres Einkommen generiert wird, ohne aber die Benutzer zu verärgern? Im Moment zeichnet sich ab, dass Facebook mehr bezahlte Beiträge und Werbung anzeigen will, ohne diese auffällig zu kennzeichnen. Bald können Firmen „Sponsored Stories“, also bezahlte Einträge, in den Hauptmeldungen erscheinen lassen, welche sich kaum von natürlichen Meldungen unterscheiden lassen. Die bezahlten Statusmeldungen von Benutzern, wie oben beschrieben, sind nicht gekennzeichnet, sondern werden nur länger und weiter oben angezeigt.

Der Facebook Edgerank, welcher uns nur anzeigt was uns gefällt, basierend auf Berechnungen von Facebook, machen die Hauptmeldungen zu einer gefährlichen Informationsquelle. Weil Facebook uns eben nur noch ausgibt, was wir anscheinend gut finden, werden wir gar nicht mehr mit anderen Meinungen bzw. der weniger schönen Realität konfrontiert. Wir befinden uns in einer heilen Facebook-Welt. Das, gepaart mit den bezahlten Einträgen, sorgt für eine bedenkliche Gewichtung des Inhalts.

Hier wünschte ich mir von Facebook, dass der Benutzer selber entscheiden kann, ob er den Facebook Edgerank eingeschaltet haben möchte, oder nicht. Bezahlte Einträge, egal ob von Firmen oder Privatpersonen müssten meiner Meinung nach immer gut sichtbar und offen kommuniziert werden.

Was bringt die Zukunft?

Ob sich in der oben genannten Art wirklich eine neue Geldquelle erschliessen lässt, ist natürlich noch offen. Schliesslich hat Facebook noch weitere potentielle Baustellen wie Check-In Deals und Credits. Gerade diese Beiden sind in Europa kaum ausgereizt. Eine weitere mögliche Einnahmequelle wäre für mich auch, dass Unternehmen für Facebook Seiten bezahlen müssen. Beispielsweise mit einer Grundgebühr und zusätzlichen Gebühren nach Anzahl Fans.

Mein Fazit

Ich bin sehr gespannt wie Facebook mit der neuen Herausforderung umgehen will. Ich kann gut verstehen das Mark Zuckerberg eigentlich nicht an die Börse wollte, von den Investoren aber dazu gedrängt wurde. Bleibt zu hoffen, dass er mit den gut 57% Stimmenanteil weiterhin das Sagen hat und Facebook auch aus der Sicht der Benutzer weiterentwickelt. Es geht schliesslich um Kommunikation, bzw. den Dialog untereinander.

Wo ist für euch die Schmerzgrenze? Wäre eine kostenpflichtige Facebook Fanseite ein Grund die erschaffene Community aufzulösen? Stören euch bezahlte Statusmeldungen? Ich freue mich auf euer Feedback.

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