Social Media lebt und ist kreativer denn je.

4.3.2013

Zur Zeit ist es gerade in Mode das Ende des sogenannten Social Media Hypes auszurufen. Vor allem die klassischen Zeitungen nehmen jedes Anzeichen dafür dankbar auf und breiten es genüsslich auf. Das ist nicht das erste Mal, dass dies geschieht. Ich erinnere mich gut an einen Verleger, der vor ca. 15 Jahren in einer Rede meinte:

Das Internet geht wieder vorbei.

So verhält es sich auch heute mit Social Media. Man hängt die Argumente immer an Statistiken einer einzigen Plattform auf, verkennt dadurch aber völlig das Grundprinzip von Social Media. So wird beispielsweise geschrieben, dass Jugendliche Facebook den Rücken kehren und dem Online-Tagebuch überdrüssig sind. Dabei ist gar nicht die Plattform relevant. Es mag durchaus sein, dass es Facebook eines Tages nicht mehr gibt. Oder noch wahrscheinlicher, dass Facebook in 2-3 Jahren etwas völlig anderes ist als heute. Aber das Grundbedürfnis sich auszutauschen, interessanten Inhalten zu teilen und Empfehlungen abzugeben, das geht nicht mehr wieder vorbei – weil es nämlich schon immer da war.

Das Gegenteil ist der Fall. Es werden laufend neue Social Media Konzepte entwickelt, daraus entstehen Tools und Plattformen und kleine Nischenplayer finden immer wieder eine interessierte Community. Sogar in der Schweiz! Boldomatic ist beispielsweise ein solcher Nischenplayer. Letzten November von der jungen Zürcher Agentur Nerves lanciert, verbreitet sich diese social networking App fürs iPhone, die Textaussagen eines Nutzers in ein visuelles, grafisches Statement umwandelt, zur Zeit in Windeseile. Oder cooala, die ebenfalls Ende 2012 lancierte iPhone App, die gemäss dem Erfinder Mike Schwede die spielerische und kontrollierte Interaktion zwischen Marken und ihren Fans fördert und damit genau dort ansetzt, wo Facebook Schwierigkeiten hat.

Diese zwei Schweizer Beispiele einer lebenden, kreativen Social Media Szene werden kaum den grossen Playern Konkurrenz machen. Aber sie verfolgen spannende Ansätze, sind eine Spielwiese in einer noch jungen Branche und sorgen im besten Fall für so viel Aufsehen, dass sie früher oder später von einem grossen Player übernommen (oder im schlechteren Fall kopiert) werden. So geschehen auch mit der social video App Vine. Vine wurde von Twitter sogar noch vor dem ersten Release, der vor gut zwei Monaten erfolgte, übernommen. Offenbar erkannte man bei Twitter das Potential dieser App, die es den Nutzern erlaubt auf einfachste Art und Weise, kurze 6-sekündige Videos aus ihrem Leben zu posten und zu teilen. Nach den 140 Zeichen Tweets nun also die 6 Sekunden Videos.

Was allen 3 social neworking Apps gemeinsam ist: Sie bestechen durch ihre Einfachheit. Reduce to the max und Usability über alles muss das Credo bei den Entwicklern gewesen sein. Und auch das entspricht einem aktuellen Trend. Die Zeit des Featuritis ist vorbei. Keep it simple ist die neue Devise in der Entwicklung von Online-Konzepten.

Es bleibt also nach wie vor sehr spannend und lebendig in der Social Media Szene und wenn man von einem Hype sprechen will, dann trifft das wohl eher auf das Bashing darüber zu als auf die Szene selbst.

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