Yes we scan!

13.6.2013

Yes we scan!

Die Meldung platzte wie eine Bombe. Amerikanische Geheimdienste haben grosse Internet-Dienste wie Google, Facebook, Microsoft, Apple und Yahoo infiltriert und überwachen E-Mails, Gesprächsdaten und Kreditkarteninformationen. Ausgerechnet die Regierung Obama, die es dank der Facebook-Generation an die Macht schaffte, hat offenbar heimlich ein riesiges Überwachungssystem aufgebaut, um eben diese Generation weltweit zu bespitzeln.

Doch ist unser Entsetzen nicht etwas naiv? Wir haben doch alle gewusst, dass unsere Einträge in den sozialen Netzwerken mehr oder weniger öffentlich sind, dass wir unsere Daten durch Hochladen in die Cloud Dritten zugänglich machen und dass der Inhalt unserer Emails etwa so privat ist, wie der Grusstext einer Postkarte.

Ganz abgesehen davon: Nicht nur amerikanische Geheimdienste, sondern auch andere, insbesondere kriminelle Organisationen haben sich schon Zugang zu solchen User-Daten verschafft. Schon lange bevor Daten-CDs mit Bankkundendaten auf dem Markt angeboten wurden, gab es solche mit Kreditkartendaten, die aus irgendwelchen dubiosen Quellen im Internet stammten. Im Vergleich dazu ist der Zugang der Geheimdienste auf unsere Daten schon fast harmlos. Auch hier kann zwar Missbrauch geschehen, aber wir können zumindest davon ausgehen, dass der Zweck im Grunde ein rechtschaffener ist und es darum geht, eine Mehrheit von uns zu schützen und eine kriminelle Minderheit zu verfolgen.

Die aktuelle Diskussion sollte sich darum nicht nur einseitig um das Problem der Überwachung durch die Geheimdienste kreisen, sondern mindestens so prominent auch darum, welche persönlichen Daten überhaupt ins Internet gehören und welche nicht – im Wissen, dass irgendjemand diese Daten immer mitliest.

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