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„Was ich meine“ vs. „Was du verstehst“

9.7.2013

Kommunikation im Internet ist allgegenwärtig. Wir alle posten und twittern wild im World Wide Web. Oft bedenken wir nicht, wie schwierig es ist, einen Text richtig zu verstehen. Aus diesem Grund habe ich mir den Vortrag „Semiotik für Nerds“ von Sabria David und Jörg Braun an der re:publica 2013 angeschaut. Ich wollte wissen, was beim Interpretieren eines Textes alles schief laufen kann.

Was ist Semiotik?

Semiotik ist die Theorie der Entstehung, Art sowie dem Gebrauch von Zeichen und gehört zu den Sprachwissenschaften. Ein ziemlich komplexes und umfangreiches Thema! Kurz zusammengefasst befasst sich die Semiotik mit dem Schreiben und Verstehen von Zeichen. Zu den Zeichen gehört natürlich auch Text, den wir tagtäglich im Internet schreiben, lesen und interpretieren.

Ohne, dass der Text gelesen wurde, ist er nicht fertig

Viele kennen die kulturellen Unterschiede oder Handzeichen in verschiedenen Ländern. Diese können jedoch sehr schnell falsch verstanden werden. Der Grund dafür ist einfach: Sender und Empfänger haben einen unterschiedlichen Wissenstand. Und jeder Empfänger versucht den Sender jeweils mit seinem individuell vorhandenen Wissen zu interpretieren.

Basierend auf dem Zitat „Jeder Text entsteht erst durch die Interaktion eines Lesers vollgültig“ aus dem Buch „Lektor in fabula“ von Umberto Eco, entstand ergänzt durch Sabria David und Jörg Braun; „Ohne, dass der Text gelesen wurde, ist er nicht fertig„.

Jeder Autor steht also vor der grossen Herausforderung, einen Text so zu schreiben, dass jeder Empfänger ihn auch richtig interpretiert. Jede transportierte Information durchläuft dabei folgende vier Ebenen:

4 Seiten Modell

  • Sachebene
  • Selbstkundgabe
  • Beziehungsebene
  • Appellebene

Ein witziges Beispiel dafür liefert das Buch „Miteinander Reden. 1″:

Ein Mann und eine Frau sitzen beim Abendessen. Der Mann sieht Kapern in der Soße und fragt: „Was ist das Grüne in der Soße?“

Er meint damit auf den verschiedenen Ebenen:

Mann verstehtSachebe: Das ist was Grünes.

Selbstkundgabe: Ich weiss nicht, was es ist.

Beziehungsebene: Du wirst es wissen.

Apellebene: Sag mir, was es ist!

Die Frau versteht den Mann auf den verschiedenen Ebenen folgendermaßen:

Frau versteht

Sachebene: Das ist was Grünes.

Selbstkundgabe: Mir schmeckt das nicht.

Beziehungsebene: Du bist eine miese Köchin!

Apellebene: Lass nächstes Mal das Grüne weg!

Die Frau antwortet gereizt: „Mein Gott, wenn es dir hier nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen gehen!“

(Quelle: Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander Reden. 1: Störungen und Klärungen. Reinbek bei Hamburg 1981, S. 35.)

Die Grenzen von Inhalten im Internet

Die Digitalisierung unserer Kommunikation birgt viele Gefahren. Wir reagieren schnell. Vielleicht sogar zu schnell, da wir heutzutage in Echtzeit kommunizieren können. Mit Emoticons versuchen wir, Mimik nachzustellen. Aber diese dienen oft mehr als Belustigung oder Abkürzung anstelle einer echten Unterstreichung der Botschaft.

Text lesen ist also eine ziemlich einseitige Art der Interpretation, da der Autor selbst nicht anwesend ist. So ist es auch ein Fehler des Lesers, wenn er versucht, aufgrund des Textes auf den Autor zu schliessen. Somit ist nicht nur der Autor verantwortlich, sondern auch der Leser ;-)

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  • Texten fürs Web ist nicht einfach. Daher finde ich die Idee der Semiotik gut.