Was XING unter Kundenorientierung versteht

24.3.2014

XING

Kürzlich ging eine Empörungswelle durch die Social Media Schweiz nachdem XING in einem Newsletter an alle Schweizer Premium-Mitglieder folgende Botschaft verschickt hat:

„Ab dem 24. April 2014 reagieren wir auf den vielfachen Wunsch unserer Kunden und stellen die XING Mitgliedsbeiträge von Euro auf Schweizer Franken um. Gleichzeitig passen wir die Beiträge für Ihre Premium-Mitgliedschaft an.“

Der Ärger galt der massiven Preiserhöhung von 77 Euro auf neu 155 Franken pro Jahr, aber auch der Art der Kommunikation. Dies in eine Formulierung „auf vielfachen Kundenwunsch“ zu verpacken, ist etwas gewagt. Eine Begründung wird zwar nachgeliefert und mit den neuen Funktionen des Premium-Services gerechtfertigt. Doch sind nicht genau diese neuen Funktionen nur dann interessant, wenn auch möglichst viele User sie nutzen? Karrierewünsche angeben, Referenzen von anderen erhalten, Profilbesucher-Statistiken, Suchaufträge, Nachrichten an Nicht-Kontakte schicken, etc. sind Funktionen, die das Erfassen von vollständigen Profildaten und das regelmässige Nutzen der Plattform erst interessant machen. Da ist die Frage nach der Strategie berechtigt, die Mitgliedschaft in der Schweiz auf einen Schlag massiv zu erhöhen und dadurch einen wahren Exodus zu provozieren. Die Protestwelle war jedenfalls massiv, viele machten ihrem Ärger Luft und schrieben, dass sie ihre Mitgliedschaft kündigen werden.

Infografik: Preiserhöhung von XING

Infografik zur Preiserhöhung von David Blum aus der Gruppe XingFail

Erstaunlich am Ganzen ist, dass XING dies ausgerechnet in einer Phase tut, in der man sowieso feststellt, dass in der Schweiz ein Exodus in Richtung LinkedIn stattfindet. Die Präferenz der User hat sich in den letzten 12 Monaten eindeutig verlagert. Das hat sicher mit der internationaleren Ausrichtung von LinkedIn zu tun. Aber auch damit, dass bei LinkedIn die Gratis-Version viel weiter geht und gerade Kernfunktionen wie die Anzeige von Profilbesuchern oder Referenzen anderer Nutzer dort dabei sind.

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  • Es tönt von XING schon irgendwie wie:

    „hey, fresst das (in. your. face.): ihr habt uns so lange genervt, dass ihr eure doofe CHF wollt, seid ihr nun zufrieden? Wäre halt günstiger gekommen, ohne immer rum meckern und Extrawünsche! Ätsch!“

  • John Doe

    Das Geschäftsmodell von Xing basiert sowieso auf Abzocke. Eigentlich bietet Xing für 99.9% der Mitglieder sowieso nicht wirklich einen Mehrwert. Wenn man dabei ist, zeigt man einfach, dass man auch dazugehört, zur „modernen“ Geschäftswelt.

    Dass sie nur auf Abzocke aus sind zeigt schon, dass es keine Funktion gibt, mit der man Premium künden kann. Man muss das manuell per E-Mail machen. Das sagt doch schon alles. Ich hatte auch Premium, da es einmal mit einer Aktion sehr günstig war. Dann habe ich die Rechte von Paypal entzogen und dachte damit erlischt auch automatisch mein Premium in den nächsten Zahlungsperiode, so wie ich es oft schon bei anderen Services gemacht habe. Aber nicht so bei Xing… man erhält Manungen und muss dann eben bezahlen. Aber danach habe ich gleich manuell gekündigt. Leider haben sie jetzt doch ein paar Franken verdient. Ich denke ein gerechtfertigter Preis wäre ca. 20 Franken pro Jahr.

    Möglicherweise wollen sie jetzt noch herausholen was geht, mit der Voraussicht, dass sie gegen LinkedIn keine Chance haben werden…

  • Ich hab zwar noch vor besagtem Datum meinen Premium Account verlängert (und bezahlt) finde aber die Preiserhöhung in der Schweiz trotzdem ungerechtfertigt überhöht.

    Klar kann man sagen, der Preis wurde seit 10 Jahren nicht mehr verändert. Und dem Argument kann ich als EUR zahlender Kunde noch folgen (von 6.95 auf 7.95 € ist erträglich).

    Aber für die gleiche Leistung in der Schweiz netto 65% mehr verlangen als in Deutschland ruft nach Preisüberwacher und „Hochpreisinsel“ beim K-Tipp.

    Besonders dreist ist dabei die Begründung: „XING hat in der Schweiz starke Investitionen getätigt. Dadurch hat sich das Netzwerk in der Schweiz enorm verbessert und die Kontaktdichte ist in der Schweiz stark gewachsen und höher als in Deutschland. Entsprechend profitiert der Schweizer von einem optimierten Kontaktnetzwerk und daraus folgend besseren Karrierechancen. Preisanpassungen wurden in Deutschland bisher, wie zuvor in der Schweiz, nur auf Neukunden angewendet. Preisanpassungen für deutsche Bestandskunden sind derzeit nicht geplant, können von uns jedoch für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden.“

    Nun, veräppeln kann ich mich selbst, denn wie Reto schon festgestellt hat, verlassen in der Schweiz immer mehr Leute Xing und gehen zu Linkedin. Wenn Xing das also unter „Kontaktdichte und optimiertem Kontaktnetzwerk“ versteht, dann „schaff“ ich mich aus gefühltem Xing „Dichtestress“ nach Ende meiner Premium „Aufenthaltgenehmigung“ gerne selber aus Xing „aus“. Der Letzte nach mir soll dann bitte noch das Licht ausknipsen ;-)

    • Übrigens hat XING in den letzten 10 Jahren die Preise erhöht. Um 8% auf 2012 hin. Soviel zur Aussage, dass sie die Preise nicht erhöht hätten. Schaut einfach bei Euren Rechnungen nach.

      • Hallo Patrick. Die von dir erwähnte Preiserhöhung war nicht von XING direkt oder gewollt, sondern eine Anpassung an das Schweizer Mehrwertsteuergesetz. Ist übrigens auch auf der Rechnung erwähnt und beschrieben.

      • Patrick

        Das mag zwar sein, dass Xing früher keine MWST bezahlt hat. Für mich als Endkunde ist der Preis um 8% gestiegen. Das ist eine Erhöhung.

  • Was mich bei XING erstaunt, bei den meisten Plattformen wie beispielsweise Facebook, „bezahlt“ man die Nutzung mit Daten. Je genauer ein Benutzer seine Vorlieben und Informationen an Facebook gibt, desto besser für Facebook um die Daten mit den Werbern für gezielte Werbeanzeigen zu nutzen. Dafür darf man Facebook kostenlos nutzen.

    Bei XING kann man kostenlos ein paar Basis-Informationen eingeben. Will man mehr Informationen eingeben, so muss man bezahlen. Insbesondere die spannenden Informationen welche Recruiter nutzen könnten. Welche wiederum einen bezahlten Account benötigen… Irgendwas ist doh da falsch, oder?

  • Yves Oesch

    Ich verstehe den Ärger von Schweizer Mitusers bezüglich Preiserhöhung. Was mich jedoch erstaunt:
    1. warum müssen so viele Users in Foren mitteilen, dass sie ihre Premium-Mitgliedschaft gekündigt haben? Vor Jahren haben sie ja nicht so PR-wirksam mit ihrer neuen Premium-Mitgliedschaft geprotzt…
    2. wofür haben diese Users bisher immerhin ca. CHF 100.- pro Jahr bezahlt? Anscheinend brauchen sie die Funktionen ja nicht wirklich.

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  • Stefan Loosli

    Ich habe mich geweigert den Betrag von CHF 265 für 2 Jahre Premium bis Juli 2017 zu bezahlen und nach dem Kündigunstermin das Abo gekündigt. Darauf hat mir Xing geschrieben, dass sie zwar im Recht wären den Betrag einzufordern, aber die Rechnung stornieren würden. Und tatsächlich: Rechnung wurde storniert. Danke XING!
    Premium Mitgliedschaft mache ich trotzdem nicht mehr, denn das ist ein absolutes No go für mein Verständnis. Tschüss XING