Der digitale Wandel erfasst unsere ganze Gesellschaft

18.3.2016

Wir erleben zur Zeit Veränderungen, deren Tragweite man mit der industriellen Revolution gleichsetzt, und die unser privates wie berufliches Leben gleichermassen erfassen: Der digitale Wandel.

Es ist keine zwanzig Jahre her, da äusserte sich der Chef einer Schweizer Tageszeitung noch folgendermassen: «Das Internet? – das geht wieder vorbei. » Und heute? 52% der 500 grössten Unternehmen (Fortune 500) aus dem Jahr 2000 existieren nicht mehr. Dafür sind unter den wertvollsten Firmen heute diverse Internet-Giganten wie Google, Amazon, Facebook usw. die kaum 20 Jahre alt sind. Praktisch jede Branche wird vom digitalen Wandel erfasst. Und wie ein roter Faden zieht es sich durch, dass nicht die etablierten Branchen-Riesen den Wandel vollziehen. Im Gegenteil. Sie wehren sich meist vehement gegen eine Veränderung. Sondern es sind Quereinsteiger, die aus dem Nichts auftauchen und den digitalen Wandel als Chance nutzen. Der Computer-Hersteller Apple ist heute mit seinem iTunes der grösste Musikverkäufer der Welt. Die traditionelle Musikbranche hatte sich viel zu lange gegen Internet-Downloads gewehrt und damit den Anschluss komplett verpasst. Häufig mischen diese Newcomer die Branche gleich noch mit einem neuen Businessmodell auf. Wie beispielsweise Airbnb, der mittlerweile weltweit grösste Anbieter von Unterkünften. Airbnb besitzt selbst keine Immobilien, sondern eine Internetplattform auf der Privatpersonen Zimmer oder ganze Unterkünfte vermieten. Oder Uber, das weltweit grösste Taxi-Unternehmen, das selbst keine Fahrzeuge besitzt, sondern eine App entwickelt hat, die es Privaten ermöglicht, Taxi-Dienstleistungen anzubieten. Die Liste liesse sich noch beliebig ergänzen mit Auktionshäusern, Shoppingcentern, Medienunternehmen, Ferienvermittlern, usw. Und es sind immer Technologie-Unternehmen, die den digitalen Wandel in einer Branche als erste nutzen.

Welches ist wohl die nächste Branche, die vom digitalen Wandel erfasst wird und traditionelle Geschäftsmodelle zu Fall bringt? Die Autobranche? Mit dem Technologie-Freak Elon Musk mischt schon mal ein branchenfremder die Autobranche kräftig auf. Aber der Wandel ist mit Tesla noch längst nicht vollzogen. Das selbstfahrende Auto, das nicht mehr von einem Individuum, sondern von einer vernetzten Verkehrs-Software gelenkt wird, kommt schon bald und wird radikale Veränderungen mit sich bringen, die weit über die Automobilbranche hinausgehen. Es wird unsere Mobilität massiv beeinflussen. Denn selbstfahrende, vernetzte Autos sind deutlich sicherer, termintreuer und lassen die Reisezeit massiv effizienter nutzen. Es wird aber auch grossen Einfluss auf den öffentlichen Verkehr haben, denn das selbstfahrende Auto, das man nicht mehr besitzt, sondern bestellt, wenn man es braucht, wird die Attraktivität des Individualverkehrs gegenüber dem ÖV wieder massiv stärken. Das bedeutet, der Konkurrenzvorteil des Massen-ÖV verschwindet. Und das wiederum wird sogar Einfluss auf die Immobilienbranche haben. Denn, die zentrale Lage einer Immobilie, der gute Anschluss an den ÖV, was heute noch ein grosses Verkaufsargument ist, wird dadurch plötzlich irrelevant. Das selbstfahrende Auto holt jeden zuhause ab. Und wer weiss, vielleicht nutzen wir unsere heutigen Bahnstrecken dereinst als Hochgeschwindigkeits-Autobahnen für selbstfahrende Autos.

Ich bin überzeugt, wir sind noch längst nicht am Ende des digitalen Wandels. Im Gegenteil. Die grössten Veränderungen stehen uns noch bevor. Und vor allem: In dieser digitalen Welt sind unsere Kinder, die Generation der Digital Natives, die Experten und wir Eltern und auch die Lehrpersonen die Laien. Eine solche Umkehrung der Rollen dürfte ein Novum in der Geschichte der Menschheit sein. Das hat weitreichende Konsequenzen. Für die Erziehung. Für die Ausbildung. Damit müssen wir erst einmal umgehen können. Und es vor allem als Chance sehen. Es ist nicht einfach nur so, dass die Kids sich besser zurecht finden in der digitalen Welt als wir. Sie verhalten sich anders. Sie gehen anders mit neuen Informationen um. Sie entwickeln ganz andere Strategien um Probleme zu lösen. Es geht nicht mehr darum, möglichst viel auswendig zu lernen. Denn das Wissen der gesamten Welt steckt heute bei jedem in der Hosentasche. Mit den heutigen Smartphones ist man mit der ganzen Welt vernetzt und es gibt sozusagen keine Frage mehr, die man nicht sofort beantworten kann. In dem man seine Freunde über WhatsApp fragt, in dem man bei Youtube ein passendes Video zum Problem, das man gerade hat, sucht oder in dem man ganz einfach Google fragt. Google beantwortet heute 5 Milliarden Suchanfragen. Täglich. Wer hat eigentlich alle diese Fragen früher beantwortet und vor allem, wie lange hat das gedauert!?

Was in einer digitalen Welt viel wichtiger ist, als sich viel Wissen anzueignen: Kreativität, Leidenschaft, Sozialkompetenz, Querdenken und kritisches Hinterfragen. Denn das sind Eigenschaften, die auch Morgen und Übermorgen nicht von Maschinen übernommen werden.

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