Mobile Onlineshops werden jeden Tag wichtiger

31.3.2016

Es ist schon lange kein Trend mehr, sondern alltägliche Realität: Die mobile Internetnutzung in der Schweiz wächst rasant. Damit steigt auch das Bedürfnis der Kundschaft, auf mobilen Geräten zu surfen und zu bestellen. Hier besteht aber bei vielen KMUs, die einen Onlineshop ohne mobile Optimierung betreiben, noch Nachholbedarf. Die Firma Bindella zeigt, wie die Chancen genutzt werden können.

Vor ein paar Jahren war es noch undenkbar, mit dem Smartphone im Internet zu surfen. Webseiten waren nicht bedienbar (da nicht auf mobile Geräte optimiert), das mobile Internet war langsam und teuer und das Vertrauen fehlte, dass die Bestellungen von unterwegs auch tatsächlich ankamen. Heute ist das komplett anders. Webseiten sind mobile-optimiert, Telekom-Firmen bieten Internet-Flatrates an und somit steigt auch das Vertrauen in die mobile Internutzung. Gemäss einer Studie, die im Jahr 2015 durchgeführt wurde, surfen 85% der Schweizer Bevölkerung auf einem mobilen Gerät im Internet (Tablets in diesem Artikel dazugerechnet). Smartphones sind schon längst nicht nur im Besitz der jungen Generation: Von den 30 – 54 Jährigen benutzen 83% ein Smartphone, bei den 55 – 69 Jährigen sind es immerhin schon 70%. Auf der Couch seine Lebensmittel bestellen ist genauso normal wie fernsehen im Tram. Technik sei Dank.

Und auch sonst hat sich in dieser Hinsicht viel getan: Google hat Mitte 2015 bekannt gegeben, dass mehr als die Hälfte der Suchanfragen über mobile Geräte erfolgt sind. Was vor wenigen Jahren noch utopisch schien, wurde 2015 bereits erreicht. Dieser Trend wird von Google konsequent weiterverfolgt, in dem mobile-optimierte Webseiten besser gewichtet werden und somit bei Google-Suchergebnissen weiter oben platziert sind. Ein weiteres Beispiel gefällig? Der grösste Schweizer Online-Supermarkt, leshop.ch von Migros, erwirtschaftete letztes Jahr CHF 176 Mio. Umsatz, satte 40% der Bestellungen erfolgten über mobile Geräte  Wobei Tablets bei den Bestellabschlüssen die Spitzenreiter darstellen. Amazon.com hat verkündet, dass im Weihnachtsgeschäft 2015 sogar gegen 70% mit einem mobilen Gerät einkauften.

Trotz guter Gründe noch kein Umdenken

Man könnte meinen, dass dies unschlagbare Argumente für den sogenannten „Mobile Commerce“ seien. Man könnte meinen, diese Statistiken zeigen eindeutig, dass der Trend schon lange Realität ist. Und doch hadern viele KMUs mit der Entscheidung oder können keinen Nutzen darin erkennen. Es heisst dann, unsere Kunden sind zu alt. Unsere Branche ist zu konservativ. Niemand bestellt bei uns mit einem mobilen Gerät. Grosses Missverständnis-Potential steckt auch in der Begründung, dass kaum mobile Seitenzugriffe verzeichnet werden. Hier lohnt es sich zu prüfen, ob dem wirklich so ist (und die Nachfrage demnach tief ist), oder ob es eigentlich genügend mobile Besucher gäbe, diese aber aufgrund der schlechten, mobilen Darstellung schnell wieder abspringen. Einen Grund, warum man nicht investieren sollte, lässt sich immer finden. Zur gleichen Zeit wächst auf der ganzen Welt eine Generation heran, für die ein Leben ohne Smartphone unvorstellbar ist (ob das nur Vorteile hat, sei dahingestellt). Diese Generation wird zu zukünftigen Kunden und zu zukünftigen Entscheidungsträgern heranwachsen. Wer eine schlechte, digitale Visitenkarte abliefert, wird uninteressant für solche Personen.

Best Practice: Der Webshop von Bindella

Mobile-Commerce-Beispiel-Bindella

Erfolgreiche Beispiele gibt es genug. So setzt zum Beispiel der bekannte Gastro-Unternehmer und Weinhändler „Bindella“ auf Mobile Commerce. Und das in einer Branche, die vermeintlich nur wenig mit der Digitalisierung zu tun hat und mit fehlendem Nachwuchs kämpft.

Bindella bietet allen Zielgruppen ein mobiles Einkaufserlebnis, mit dem Ziel, dass sie schnell, einfach und unabhängig einkaufen können: Privatkunden können mit der mobilen Website ihre Einkäufe unterwegs erledigen. Für B2B-Kunden wurde eigens eine App entwickelt, um die speziellen Bedürfnisse dieser Kundschaft abzudecken:

Die App bietet für B2B-Kunden zwei grosse Vorteile. Zum einen kann sich der Gastronom ganz bequem eine Liste mit seinen meistverkauften Weinen zusammenstellen. Diese Liste lässt sich beliebig bearbeiten und direkt in den Warenkorb verschieben. Das ist vor allem bei sich wiederholenden Bestellungen sehr hilfreich. So muss der Gastronom die vielen Artikel nicht immer aufs Neue suchen und in den Warenkorb verschieben. Dank der Zeitersparnis und der einfachen Handhabung sind weitere Bestellungen die logische Folge.

Der andere grosse Vorteil ist die Offline-Funktionalität der App, die viel Papierkram ersparen kann. Es spielt keine Rolle, ob zum Zeitpunkt der Bestell-Erfassung eine Internetverbindung besteht oder nicht, die Bestellung kann trotzdem gespeichert werden. Sprich: Egal wie tief unter der Erde der Weinkeller liegt, die Bestellung kann trotzdem digital erfasst werden. Sobald wieder eine Internetverbindung verfügbar ist, wird die Bestellung übermittelt. Dort, wo früher die Bestellung noch auf Papier aufgenommen und später gefaxt oder abgetippt wurde, erledigt das Smartphone die Arbeit. Der Kunde kann seine Bestellungen effizient erledigen und für Bindella entfällt das Abtippen der Fax-Bestellungen – eine Win-Win-Situation.

Übrigens: Die App wird nicht etwa nur von jungen, männlichen Gastronomen gebraucht. Die Benutzer sind verteilt auf weiblich und männlich, jung und alt.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Das Beispiel von Bindella zeigt den Anwendungsbereich für den B2B-Bereich auf. Obschon der B2B-Bereich im Mobile Commerce eher belächelt wird. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten werden durch veraltete Denkweisen gar nicht erst erkannt. Wozu sollen mobile Geräte gebraucht werden, wenn der Firmen-Kunde ebenfalls an einem Desktop-PC arbeitet? Warum braucht es mobile Anwendungen, wo doch kaum einer sein Smartphone für Firmenzwecke verwendet?

Im Falle von Bindella liegt es auf der Hand: Der Gastronom sieht nur im Weinkeller unten, wie viele Flaschen er noch auf Lager hat. Um die Bestellungen aufzunehmen, möchte er wohl kaum einen Desktop-Computer im Keller stehen haben, um dort eine Bestellung nach der anderen einzutippen. Vielmehr ist er mit dem Smartphone oder dem Tablet flexibel und mobil und kann auch in der hintersten Ecke des Weinkellers die Bestellung direkt vor dem Regal eingeben.

Auch in anderen Bereichen werden die B2B-Kunden von Mobile Commerce profitieren. Einige Beispiele und Ideen finden Sie hier:

  • Der digitale Produktkatalog: Die Mitarbeitenden des Aussendienstes können ihren digitalen Produktekatalog auf dem Tablet mitnehmen und der Kundschaft präsentieren. Ist die Datenqualität gut, kann sogar der eigene Onlineshop als Katalog dienen.
  • Mehrwerte im Katalog bieten: Im Online-Katalog können dem Benutzer Mehrwerte geboten werden. Beispielsweise können bei einem Artikel die passenden Ersatzteile und Zubehöre aufgelistet werden (zum Smartphone die passende Schutzhülle, die passende Ersatzschraube für das Möbel etc.). Das mühsame Suchen im Papier-Katalog entfällt.
  • Schnelle Übermittlung, weniger Aufwand: Bestellungen können nach dem Kundenbesuch direkt an das ERP übermittelt werden. Das Abtippen von Bestellungen im Backoffice fällt weg.
  • Eine App für mehrere Anwendungsmöglichkeiten: Je nachdem, mit welchem Login sich ein Benutzer einloggt, sieht er andere Konditionen, andere Funktionalitäten oder andere Produkte (z.B. nur B2B-Produkte). Es entfallen Entwicklungskosten und Koordinationsaufwand für das Betreuen verschiedener Apps.

Nicht nur für B2B, sondern auch B2C

Auch Privatkunden können von den mobilen Bestellmöglichkeiten profitieren. Im Falle von Bindella können die Privatkunden mit dem Browser auf dem Smartphone im Onlineshop stöbern. Sie sehen zwar keine Weinliste und haben andere Konditionen, können aber dennoch ihre Einkäufe von unterwegs erledigen. So können Impulskäufe begünstigt und geplante Bestellungen vereinfacht werden.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Restaurant, trinken einen guten Wein und möchten diesen für den eigenen Weinkeller bestellen. Sie recherchieren den Wein im Internet und werden in einem Onlineshop fündig, der auch auf Ihrem Smartphone schön aussieht. Die Flasche ist so gut wie gekauft. Oder: Sie sitzen im Zug und fahren nach der Arbeit nach Hause. Ihnen fällt ein, dass am Wochenende Ihre Freunde zu Besuch sind und deren Lieblingswein im eigenen Weinkeller nicht vorrätig ist. Kein Problem. Im Zug kurz das Smartphone gezückt, Wein gesucht, bestellt und bis am Wochenende geliefert. Wieder eine Pendenz weniger.

Der Einkaufswagen ist immer griffbereit in der Hosentasche. Auch wenn es nicht zu einer Bestellung kommen sollte, so haben Sie zumindest eine gute Visitenkarte abgegeben und bleiben dem Kunden in Erinnerung. Mobil optimierte Shops haben ausserdem den Vorteil, dass sie bei Google weiter oben angezeigt werden und sich die Chance eines Kundenbesuchs erhöht. Wenn Ihre Website allerdings – im Gegensatz zu Bindella – nicht für mobile Geräte optimiert ist, wird Ihre Seite nicht auf Anhieb gefunden oder die Kunden verlassen die Seite ganz schnell wieder.

Weitere Anwendungsfälle, die man gerne vergisst: Ist Ihre Website nicht für kleinere Bildschirme optimiert, werden Sie bei Stellensuchenden, die gerade von unterwegs oder zuhause auf der Couch die Stellenangebote prüfen, für keinen guten Ersteindruck sorgen. Die „Generation Smartphone“ wird das ebenso wenig verstehen wie technisch versierte Fachkräfte, die auf einer technisch veralteten Website landen.

Weiter geht es mit Newslettern: Nehmen wir an, Sie bewerben Ihr neuestes Produkt mit einem Newsletter. Auch Ihre Kunden werden von unterwegs die Mails vom Smartphone aus abrufen. Ist Ihr Newsletter interessant (und hoffentlich für mobile Geräte optimiert), wird der Kunde den Beitrag über das neue Produkt anwählen. Wenn er dann auf einer nicht optimierten Produkteseite landet, wird er das Fenster wieder schliessen und die nächste Mail lesen – das gilt für Privatkunden ebenso wie für Firmenkunden.

Für beide Zielgruppen kann auch eine verkürzte Wartezeit erreicht werden: Die Kunden können einen Artikel von unterwegs bestellen/reservieren und müssen dadurch weniger lange an der Kasse warten. Beliebt bei Restaurants oder Take-aways, wo die Bestellungen im Voraus abgegeben werden können und das Essen ohne Wartezeit abgeholt werden kann. Auch im B2B-Bereich durchaus praktikabel, gerade bei Abholungen aus Filialen.

Fazit

Die Zukunft ist mobil. Alle Fakten und Statistiken sprechen dafür. Getan hat sich (noch) zu wenig, um diesem Trend genügend Rechnung zu tragen. Das Potential ist riesig und in vielen Bereichen noch nicht ausgenutzt. Firmen, die in Mobile Commerce investieren, werden für die Zukunft gewappnet sein, insbesondere wegen den heranwachsenden Generationen, für die das Leben (und Bestellen) mit einem Smartphone selbstverständlich ist. Stellen Sie sich also die Frage, wo Ihnen Mobile Commerce entgegenkommen kann – auch abseits von mobilen Onlineshops.

Dieser Artikel erschien zuerst im Marketing & Kommunikation 03/2016.

 

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