Schweizer Marktplätze als Konkurrenz zu Amazon

30.5.2016

Es geht was im Schweizer E-Commerce! Nachdem es so schien als ob alle in Schreckstarre auf die Ankunft von Amazon in der Schweiz warteten, ist seit einigen Monaten doch Bewegung in den hiesigen E-Commerce Markt gekommen. Man scheint sich mit Schweiz-affinen Mitteln gegen den Koloss zur Wehr setzen zu wollen. Und das eine oder andere scheint durchaus Potential zu haben, sich auch tatsächlich als Alternative zu anzubieten.

Da ist zum Beispiel Kaloka, der kürzlich gestartete lokale Berner Marktplatz der Post, der allen Berner Läden eine Art E-Filiale geben will. USP von Kaloka: Same-Day Delivery über einen Velokurier. Gutes Konzept für einen lokal begrenzten Markt. Da wird ein Internationaler nie mithalten können. Etwas bedauerlich ist,  dass die Post so stark hervorhebt, dass es ein 6-monatiger Test ist und dann weiterschaut. Das hört sich nicht nach klarer Strategie an. Und ein lokales Geschäft wird sich überlegen, ob es sich auf einen offensichtlichen Test einlassen will – so ein Schritt ist ja immer auch mit Aufwand  verbunden.

Die Auktionsplattform Ricardo bietet mit Ricardoshops schon länger einen Marktplatz an auf der  gewerblich Waren verkauft werden und positioniert sich weniger als Shop für den hiesigen Handel, sondern als Alternative zum Einkauf in der EU. Denn auf Ricardoshops können auch ausländische Händler ihre Produkte anbieten, Ricardo verspricht eine zollfreie Lieferung. Ob das, das erfolgsversprechende Konzept ist, ist fraglich. Denn letztlich ist es kein USP der gegen die Ankunft eines grossen Ausländers nützt.

Migros ist mit digitec, Galaxus, leshop und ihren weiteren eigenen Shops bereits von Haus aus gut positioniert und verfolgt darum eine ganz andere Strategie. Mit ihren schweizweit engmaschig verteilten Filialen sind sie in der Lage ein eigenes Logistiknetz aufzuziehen, das nicht so schnell kopierbar ist. Sie beziehen dabei ihre unterschiedlichen Brands wie Migrol, Migrolino, ex libris usw. mit ein. Der User kann beispielsweise bei digitec online bestellen und in einem Migrol-Shop abholen. Jeder Migros Standort wird so zur Abhol- und auch Rückgabestelle.

Das umfassendste Konzept bietet zur Zeit wohl siroop, das Startup von Coop und Swisscom. Sie wollen in der Schweiz zum grössten offenen Marktplatz werden. Sie stehen jedem Händler offen. Ob gross oder klein. Neben der Möglichkeit seine Produkte bei siroop in den Shop zu stellen und so von der gesamten Marketingpower des Startups zu profitieren, bietet siroop den kleinen, die keine eigene Logistik haben auch gleich sämtliche Zusatzdienstleistungen, wie Lagerung, Abwicklung und  Inkasso an. Und es geht noch weiter: Jeder Händler der mitmacht, wird auch gleich zur Pickup-Station von siroop. Das sind einige sehr starke USPs gegenüber einem E-Commerce-Riesen der in die Schweiz kommt.

Marktplätze

Fazit

In unserem kleinräumigen Land könnten genau solche Multichannel Konzepte: «buy online,  (same day) pickup offline» genau die richtige Waffe sein gegen Amazon und  Co. Denn anders als in Deutschland gilt bei uns nicht einfach «Geiz ist geil». Uns ist Qualität und Frische wichtig. Und ein Abholen auf dem Heimweg hat auch diverse Vorteile: Man kann die Qualität gleich vor Ort nochmals checken und die Annahme auch gleich verweigern, sollte etwas nicht in Ordnung sein. Und man muss sich nicht mit den Problemen der Heimlieferung rumschlagen.

 

E-Commerce - MySign

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  • Bei Kaloka fehlt mir in der Berichterstattung der 3 USP neben dem lokalem Marktplatz und Same Day Delivery. Kaloka bietet auch einen SMS-Shopping Service bei welchem Anfragen via SMS Dialog beantwortet werden. siehe kaloka.ch/sms

    • Reto Baumgartner

      Danke für die Ergänzung Erich. Wäre spannend zu erfahren, ob es vor allem ein guter PR Gag ist, oder ob ein solcher Service tatsächlich einem Bedürfnis entspricht und auch genutzt wird.