E-Commerce Apps: Wann sind diese sinnvoll?

6.6.2016

Über Sinn oder Unsinn eines Onlineshops brauchen wir in der Zeit der Digitalen Transformation nicht mehr zu diskutieren. Wer seine Produkte nicht auch online anbietet, der muss entweder etwas ganz exklusives und einzigartiges haben oder er verpasst schlicht einen fundamentalen Wandel und macht sich selbst über kurz oder lang überflüssig. Doch wie ist es mit Apps?

Mit der vermehrten Nutzung von Smartphones und Tablets werden Webseiten immer stärker für diese Geräte designt. Das bedeutet, Navigationen werden auf Touch-Funktionalität optimiert, Funktionen werden reduziert, die Lesbarkeit wird verbessert usw. Immer häufiger wird auch eine Mobile-First-Strategie verfolgt, das heisst, eine Website wird zuerst für den kleinen Screen designt und optimiert. Gleichzeitig hat sich auch die Nutzung von mobilen Apps rasant entwickelt. Apps unterstützen uns je länger je stärker im Alltag. Doch was bedeutet das nun für einen Shop-Betreiber? Braucht er zwingend auch eine E-Commerce App? Oder ist das eine zusätzliche Spielerei, die zwar nett, aber aus der Sicht der Benutzer ohne Mehrwert und darum wirtschaftlich unnötig ist?

Wir sind diesen Fragen nachgegangen. Und die Antwort ist wie meistens: Es kommt darauf an….

Fust setzt in Zukunft auf Apps

Die Dipl. Ing. Fust AG dient als gutes Beispiel, wie eine App im B2C-Umfeld erfolgreich eingesetzt werden kann.

Als ersten Schritt zur Umsetzung ihrer Online-Strategie hat Fust im Frühjahr 2014 ihren Onlineshop relaunched. Im 2015 ging es nahtlos weiter:

  • Seit Spätsommer 2015 hat der Kunde die Wahl, ob er seine bestellte Ware in einer Filiale seiner Wahl abholen oder direkt nach Hause geliefert erhalten möchte. Oder ist das gewünschte Produkt nur in ausgewählten Filialen vorhanden? Auch das ist neu auf einen Blick ersichtlich und das Produkt für den Kunden bestell- und abholbar.
  • Vorteilhafte Set-Angebote wie Waschmaschinen und Trockner können ebenfalls online bestellt werden.
  • Der Energiesparrechner berät den Kunden, ob er sein altes Gerät reparieren lassen sollte oder ob sich eine Neuanschaffung lohnt. Zudem weist er die Energiesparquote, die der Kunde mit dem Einsatz eines neuen Gerätes erreichen würde, aus.
  • Beim Kauf eines Grossgerätes kann gleichzeitig mit dem Kauf online eine Garantieverlängerung über die normale Gewährleistungszeit hinaus abgeschlossen werden.
  • Der Kunde kann neu auch seine Paycard als Zahlungsmittel einsetzen.

Anfangs 2016 wurde nun die mobile Version des Fust Onlineshops  als Web App lanciert sowie daraus abgeleitet eine App Version in den Appstores zum Download bereit gestellt.

Fust App

Die Fust-App als Omnichannel Instrument

Die wichtigsten Funktionalitäten, die der Kunde, der unterwegs via Smartphone oder auf dem Sofa mit seinem Tablet einkaufen möchte, sind neu via Touch vorhanden. Will sich der Kunde jedoch trotz der Möglichkeit via App zu bestellen, zuerst offline in der Filiale umsehen, kann er sich mittels der Standortermittlung in der App die geografisch nächstgelegene Filiale anzeigen lassen.

Eine der beliebtesten Funktionen ist die Nutzung der Sparkarten: Jedes Onlineshop-Kundenkonto ist auch ein Sparkonto. Beim Einkauf von ausgewähltem Fust Zubehör können mit der Sparkarte Punkte gesammelt werden. Auch via App. Zudem kann sich der User über volle Sparkarten via SMS oder E-Mail benachrichtigen lassen, um beim nächsten Einkauf von Rabatten zu profitieren. Mit der Schüttelfunktion der App wird der Barcode der Sparkarte direkt auf dem Smartphone angezeigt und kann gleich vor Ort in der Filiale eingescannt und eingelöst werden. Die Fust-App bietet den Kunden von Fust somit einen echten Mehrwert und ist perfekt auf die Omni-Channel Strategie von Fust abgestimmt.

Besonderes Gewicht bei der Entwicklung der App wurde auf eine optimierte Benutzerführung auf dem kleinen Handy-Screen gelegt. Wichtig war dabei, dass die App nicht eine exakte Kopie des bereits vorhandenen Desktop-Shops ist, sondern als eine eigenständige Lösung entwickelt und für den User am Smartphone und Tablet optimiert ist. Hier bewährt sich, was nicht nur im E-Commerce eine wichtige Regel ist: Weniger ist mehr. Gerade auf dem beschränkten Platz eines Smartphones sollen nur jene Funktionalitäten abgebildet werden, die dem Kunden einen echten Mehrwert bieten. Ein „Zuviel“ kann sich hier rasch als Conversion Killer erweisen.

Die Nussbaum-App mit echtem Mehrwert für B2B-Kunden

Nicht nur für Privatkunden sind Apps hilfreich, sondern auch für Geschäftskunden. Gerade im B2B-Bereich kommt es heute sehr darauf an, die Eigenheiten der Branche zu kennen und sie ideal zu nutzen. Es stellt sich also die Frage: Wo kann ich mit einer App meinen Kunden einen echten Mehrwert bieten? Für die Firma R. Nussbaum AG, Hersteller von Armaturen und Systemen in der Sanitärtechnik mit Direktvertrieb, haben wir eine App entwickelt, die sich konsequent auf die Kundenbedürfnisse ausrichtet.

In der App sind zum einen alle wichtigen Grundfunktionalitäten des Onlineshops enthalten. Das heisst, dass es keine Rolle spielt, ob der Kunde via PC oder App auf dem Smartphone bestellt. Er sieht das gleiche Sortiment, die gleichen Preise und Konditionen, kann die gleichen Funktionalitäten nutzen und die Bestellung gleichermassen absenden. Der Kunde ist unabhängig vom Gerät und kann bestellen, wann, wo und wie er will.

Zum anderen verfügt die App über diverse Hilfestellungen und Dienstleistungen, die dem Anwender Zeit sparen und effizientes Arbeiten ermöglichen. So ist der gesamte Zubehör- und Ersatzteilkatalog digital vorhanden. Was sich simpel anhört, bietet einen unglaublichen Mehrwert. Ist ein Monteur auf der Baustelle eines alten Hauses, in dem noch alte Produkte verbaut sind, kann er dadurch mit der App die passenden Nachfolgeprodukte sehr schnell bestellen. Das alte Produkt kann mittels Name oder Filter gesucht werden und prompt erscheinen die entsprechenden Artikel. Genau gleich verhält es sich mit dem passenden Zubehör. Ob ein Zubehör zum gewünschten Produkt passt, kann innert Sekunden – auf der Baustelle – herausgefunden werden und somit erübrigen sich telefonische Nachfragen oder das Nachschlagen im gedruckten Katalog. Daneben gibt es weitere Produktinformationen, welche die Arbeit der Zielgruppe erleichtern. Beispielsweise können Montageanleitungen direkt in der App angeschaut werden.

Eine weitere Dienstleistung: Mit einem ausgeklügelten Berechtigungssystem kann eingestellt werden, wer direkt Bestellungen auslösen kann, und wer sie nur weiterleiten darf. Das kann bei neuen (temporären) Mitarbeitenden hilfreich sein, um Falsch-Bestellungen und den dadurch entstehenden Mehraufwand zu vermeiden. Der Mitarbeitende kann die Bestellung vorerfassen und weiterleiten. Der Verantwortliche der Firma wird daraufhin informiert, dass eine Bestellung zum Freigeben vorhanden ist. Mit wenigen Mausklicks kann der Verantwortliche die Bestellung freigeben, abändern oder löschen.

Nussbaum App

Nebst all diesen Möglichkeiten, die auf der Website wie auch im Onlineshop funktionieren, gibt es zwei sehr nützliche Funktionen, die man aus technischen Gründen nur in der App benutzen kann:

In der App ist ein Scanner integriert, der mittels Smartphone-Kamera verschiedene Strichcodes lesen kann. Wird der Strichcode beispielsweise von einer Etikette abgescannt, wird automatisch der dazugehörige Artikel aufgerufen und kann bestellt werden. Nebst den Produktverpackungen sind die Strichcodes auch auf Etiketten, die man selber via Website erstellen kann, was praktisch ist: Denn die Etiketten kann man in seinem Lager aufkleben und bei niedrigem Lagerbestand direkt nachbestellen. Nur kurz die App zücken, Strichcode abscannen, Anzahl eingeben und bestellen.

Die zweite Funktion berücksichtigt ganz spezifisch die Eigenheiten der Branche. Weil sich die Kunden der R. Nussbaum AG häufig in Untergeschossen oder auf Baustellen aufhalten, besteht nicht immer eine Internetverbindung. Hier hilft die sogenannte „Offline-Funktionalität“ weiter, womit der Produkte-Katalog auf dem Smartphone auch ohne Internetverbindung durchsucht werden kann. Sogar Bestellungen können im Keller vorbereitet werden. Ist man wieder am Tageslicht bzw. hat man wieder eine Internetverbindung, werden die vorher vorbereiteten Bestellungen automatisch versendet.

E-Commerce - MySign

Fazit

Die Zahl der Apps ist mittlerweile so stark angestiegen, dass eine klare, eigenständige Positionierung wichtig ist. Der User will heute seine Bedürfnisse im E-Commerce über alle seine genutzten Kanäle erfüllt haben. Entsprechend haben sich Anbieter danach auszurichten, wollen sie das gesamte Umsatzpotential ausnützen. Daher gilt – egal ob für den B2C- oder B2B-Bereich: Apps können einen echten Mehrwert bieten, wenn sie auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind und sie das (Arbeits-)Leben der Benutzer erleichtern. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um Privat- und Geschäftskunden handelt. Stellen Sie sich also die Frage, wo Sie ihren Kunden genau einen Mehrwert bieten können.

Dieser Artikel erschien zuerst im Marketing & Kommunikation 05/2016.

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