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UX Konferenz Rückblick: UXLx 2016 in Lissabon

2.6.2016

Ein Fachexperte reflektiert immer wieder sein Knowhow und versucht ein solides Gefühl zu bekommen, wo er steht und vor allem wohin die Reise gehen kann. Als Designer schwimmt man nicht nur mit oder gegen Modeströme, sondern ist auch mit dem rasanten technischen Wandel konfrontiert. Internationale Konferenzen, an denen sich Spezialisten untereinander austauschen und aktuelle Themen aufgreifen, eignen sich sehr gut um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ausserhalb des Tagesgeschäftes in der Branche passiert und wo man sich als Agentur oder Fachexperte einordnen kann.

Die Konferenz

In diesem Sinne besuchten mein Arbeitskollege Michel und ich stellvertretend für das ganze Design-Team die 7. User Experience Konferenz UXLx 2016 in Lissabon. 500 Teilnehmer aus über 38 unterschiedlichen Ländern besuchten die diesjährige Ausgabe. Die Speaker waren vorwiegend aus den USA. Die Organisation war sehr gut, die Slots in verdaubarer Länge, das Catering ziemlich portugiesisch süss in den Pausen und fisch-lastig am Mittag. Grundsätzlich war aber alles sehr lecker und in ausreichender Menge vorhanden.

Die Location

FIL Meeting Centre Lisbon

Von Lissabon haben wir im Vorfeld schon viel Gutes gehört und wir wurden nicht enttäuscht. Vor allem die Altstadt hat eine grossartige Charme und lädt zum Geniessen und Entdecken ein. Es gibt unzählige Restaurants und Bars, alte Gebäude, Geschichten und Musik zu entdecken (die besten Hamburger in Downtown gibt’s im Restaurant Honorato). Leider blieb dafür nebst den Talks und Workshops in den drei Tagen nicht viel Zeit.

Die Konferenz selbst fand im überdimensionalen Gebäude FIL Meeting Centre der EXPO 1998 statt. Der Stil des Gebäudes ist dem Architektur-Stil Dekonstruktivismus zugeordnet, was ab und an den Eindruck erweckte, dass das Gebäude teilweise eingestürzt ist oder einem bald die Decke auf den Kopf fällt. Das EXPO Gelände wirkte insgesamt eher wie eine Geisterstadt und wurde ansonsten vorwiegend von Joggern aufgesucht.

Die Talks

#RanchStories – Alan Cooper

Alan Cooper erzählt seine #RanchStories

Wir besuchten an zwei von insgesamt vier Tagen Talks und Workshops, was auch völlig ausreichte und unser Aufnahmevermögen bereits ausschöpfte. Am Donnerstag kamen wir in den Genuss von unzähligen Vorträgen, welche thematisch gut durchmischt das Thema User Experience bespielten. Das ganze Programm kann nachgeschlagen werden, hier unsere Highlights:

 

Fairy Tale Experiences (Märchenhafte Erlebnisse) von Per Axbom

Per Axbom ist ein UX Designer und Coach aus Schweden, welcher schon einige Publikationen rund um das Thema User Experience veröffentlicht hat. Sein Talk war nicht nur visuell witzig und ansprechend mit dem Rotkäppchen-Märchen hinterlegt, sondern fiel auch vom Denkansatz her auf. Denn im Gegensatz  zum Approach «Don’t Make Me Think» (Steve Krug) zeigte Axbom in seinem Vortrag auf, was passiert, wenn eine Website  versucht, den User mit permanent eingeschaltetem «Autopilot» von A nach B zu führen. Er fragte uns Designer und UX Spezialisten, wann wir denn begonnen hätten, uns gleich stark für Conversions wie für das Wohlfühlen der User zu interessieren. Und wie die Online-Welt schlussendlich aussehen würde, wenn wir alle Hindernisse so fest für die User aus dem Weg geräumt haben, dass jede Webseite am Ende identisch aussieht? Per gab viele praktische Beispiele während seines Talks und sorgte für Aha-Erlebnisse (warum nicht auch mal einen animierten Lade-Status anzeigen, um dem User Zeit zu geben, darüber nachzudenken ob er auf dem richtigen Weg ist?). Sein inspirierender Ansatz ist auch in schriftlicher Form nachlesbar (Englisch).Sketchnotes Per Axbom

 

Calm Technology and Wearable Computing von Amber Case

Amber Case rechnete mit Fernseher ab, die sich kurz vor dem Blockbuster updaten wollen, mit Smart-Kühlschränken die sich nicht mehr öffnen lassen und Wasserkochern, die sich erst dann melden sollten, dass sie fertig sind, wenn wir auch wieder in der Küche stehen. Ihr Talk ist in ziemlich ähnlicher Form von der Inbound 2015 auf YouTube nachzuschauen.

«The more we pay attention to people’s attention, the more we’ll make products that people love.»

 

The Emerging Global Web von Stephanie Rieger

In diesem Talk wurden wir von der Schnellrednerin Stephanie Rieger mit unzähligen spannenden Geschichten im Bereich Ökonomie und E-Commerce bereichert. Von kleinen Ziegenkäse-Deals via Instagram in Drittweltländern, über die clevere Strategie von WeChat bis zu gigantischen von Usern kuratierten Online-Shoppingplattformen wie Meilishuo aus China, zeigte sie uns auf, was anderswo viel weiter oder anders ist als in Europa oder Amerika und lies viele offenstehende Münder zurück. Ihre Präsentation lässt sich auf Slideshare nachschauen.

 

Ranch Stories von Alan Cooper

Der Star des Tages und auch der letzte Speaker war Alan Cooper. Er gilt als «Vater» der Programmiersprache Visual Basic und war einer der ersten Autoren, die den Begriff Interface Design geprägt haben. Sein Vortrag zeigte den Vergleich zwischen seinem Familien-Betrieb in Form eines Bauernhofes und der Software Entwicklung auf und apellierte, dass jeder Designer, UX Spezialist und Entwickler es selbst in den Händen hält, ob unsere digitale Zukunft und Software wie ein Familien-Betrieb oder einem Gross-Konzern funktionieren wird. Wie sein landwirtschaftlich geprägter Beginn des Vortrages zuerst für Stirnrunzeln sorgte, so endete er in einer Standing Ovation. Seine Empathie steckte alle an und in der anschliessenden Q&A Runde liess er keine Zweifel aufkommen, dass er es wirklich ernst meint mit seiner Botschaft: Kultur kommt von Agrikultur.Sketchnotes #RanchStories by Alan Cooper

Die Workshops

UXLX Workshop

Workshop, PostIt powered

Am Freitag besuchten wir am Vormittag und Nachmittag jeweils zwei unterschiedliche Workshops (es fanden 4 Workshops parallel statt, man hatte die Qual der Wahl). Ich selbst nahm am morgen an Giles Colbornes Workshop «From Insight to Interaction» teil, in welchem ich einige spannende Insights in sein E-Commerce-Wissen bekam. Am Nachmittag besuchte ich Val Heads Workshop «Animating the User Experience», in dem sie unter anderem auf die 12 Animations-Prinzipien von Disney einging. Im prakischen Teil «missbrauchten» wir Apples Keynote um eine einfache Interface Animation einer mobile App nachzubauen (was mich allerdings nicht überzeugte).

 

Fazit

Die UXLx hat aus unserer Sicht mit Recht den Ruf einer hervorragenden Konferenz rund um das Thema User Experience. Für die Talks wurden hochkarätige Speaker in einem guten Mix engagiert. Die Vorträge waren zusammengefasst zu 70% spannend, lehrreich und unterhaltsam. Die Workshops hinterliessen auf uns und andere Teilnehmer eher einen recht allgemeinen Eindruck, hier haben wir mehr Tiefe und Learnings erwartet. Die Räumlichkeiten waren ganz spannend, wenn auch eher nicht unser Ding. Das Rahmenprogramm wurde nicht immer ganz gut kommuniziert und organisiert. Lissabons Altstadt war jedoch sehr schön und unbedingt einen weiteren Besuch wert. Hier noch ein kurzer Video-Zusammenschnitt mit Impressionen (Videos von meinem iPhone 5S, Fotos mit freundlicher Genehmigung von UXLx Fotografen).

Weitere Sketchnotes und Fotos gibt’s drüben auf Flickr.

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