Social Media und Politik

15.2.2011

Seit Obamas Wahl wissen wir, welches politische Potential in den sozialen Medien steckt. Und auch in diesen Tagen erleben wir es wieder in Ägypten: Dank Twitter, Facebook & Co. wird jede friedliche Panzerbesteigung aber auch jede Gewalteskalation in Worten, Bildern und Videos festgehalten und mit dem Handy in Echtzeit der ganzen Welt übermittelt. Die Geschwindigkeit und die Authentizität mit der das geschieht, überfordert jeden politischen Apparat. Denn der Informationsfluss lässt sich weder kontrollieren noch verhindern.

Und welche Rolle spielt Social Media in der Schweizer Politik? Uns steht  ein heisser Wahlherbst bevor und es darf damit gerechnet werden, dass auch  bei uns soziale Medien eine wichtige Rolle spielen werden. Die Frage ist erlaubt, ob unsere Politiker das auch wissen. Zurzeit gibt es erst wenige Vorreiter auf nationaler Ebene, die Facebook aktiv nutzen. Lukas Reimann, Christian Wasserfallen und Pascale Bruderer gehören dazu. Und auf Twitter findet man keinen einzigen politischen Topshot unter den aktivsten Nutzern, wie die Twittercharts von blog.politnetz.ch zeigen. Für die meisten Politiker ist Social Media, wie Adrian Amstutz in der Zeitung „Sonntag“ vom 30.1.2011 zu Protokoll gibt, etwas, wofür er keine Zeit hat. Sie leben noch im Zeitalter der Burezmorge und sind es gewohnt am Sonntag an drei verschiedenen Anlässen je einen Monolog zu halten und 50 Leuten persönlich die Hand zu schütteln. Sich in den sozialen Medien dem Dialog zu stellen ist ihnen fremd. Dabei ist Twitter die Plattform der Meinungsmacher und bietet gerade Politikern grosses Profilierungspotential. Und unter den 2.5 Mio Schweizern auf Facebook findet jeder Politiker seine Wählerschaft.

Fazit: An sich sind die sozialen Netzwerke die perfekte Plattform für Politiker. Sie müssen sich nur folgendes zu Herzen nehmen: 1. Zuhören, 2. offen kommunizieren, 3. den Dialog aufnehmen.

Auch erschienen im m&k Februar 2011

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